14. Januar 2014

Was stimmt hier nicht?

Wenn wir hier eine Internetschrotthandlung wären und die Dame käme bei uns rum, obs sie ihren Müll bei uns los wird, dann würden wir sie zum Nachbarplatz schicken. Von uns gäbe es keinen Pfennig.

Uns geht es diesmal nicht um den Inhalt des Artikels, denn die Autorin bezieht sich auf eine Studie, deren Summary sie ins Deutsche übertragen hat. Geld mit fast keinem Aufwand verdient.

SPIEGEL ONLINE 13. Januar 2014, 08:27 Uhr
Lungenkrankheit

COPD-Patienten gehen leichtfertig mit Symptomen um

Von Gerlinde Gukelberger-Felix


Ob COPD-Patienten leichtfertig mit Symptomen umgehen, das wird im Artikel an keiner Stelle belegt. Es bleibt bei der Behauptung. Wir kennen die Intention der Schriftstellerin nicht, unterstellen jedoch mal, sie meinte, daß der Umgang mit der Krankheit nach erfolgter Diagnose und plötzlicher Verschlechterung des Allgemeinzustandes nicht jenen Empfehlungen entspricht, die common sense sind. Das ist aber etwas anderes.

Davon abgesehen hat die innovative Interneterhebung (die Autoren) einen ganz andern Inhalt gehabt, der ganz am Anfang der Summary auch genannt wird. Es ging insbesondere um Exacerbationen, also plötzlich auftretende Verschlechterungen der Atmung, von denen man sich nie wieder ganz erholt. Der Umgang mit denen will gelernt sein und muß besser geschult werden. Steht ganz vorne in der Zusammenfassung seit fast einem Jahr vorliegenden Studie.

Chronischer Husten, zäher Schleim, Atemnot: Die Lungenerkrankung COPD zählt zu den Volkskrankheiten - und wird oft unterschätzt. Das zeigt eine weltweite Online-Befragung von Betroffenen. Dabei droht im schlimmsten Fall der Tod.

Ob die Krankheit unterschätzt wird und wie oft, das hätte präziser dargelegt werden können müssen sollen. Viel schlimmer noch, im schlimmsten aller Fälle droht mir der Tod auch bei keiner COPD. Und das sogar ohne weltweite Online-Befragung.

Welchen wissenschaftlichen Stellenwert hat eine weltweite Online-Befragung? Was ist das überhaupt? Inwiefern unterscheiden sich die Erhebungen von denen, die bei niedergelassenen Fachärzten durchgeführt werden? Welches der beiden Datenerhebungsverfahren ist zuverlässiger?

Die entzündliche chronisch-obstruktive Erkrankung der unteren Atemwege, kurz COPD, plagt Betroffene...

Ob sie Betroffene plagt? Etliche sicherlich, etliche auch nicht.

Jetzt mal ein kleiner Einschub. Die Autorin wird u.a. so schmackhaft gemacht:

Frau Gukelberger-Felix hatte bereits während ihres Physikstudiums in Karlsruhe und den USA mit Biologie und Medizin zu tun.

Äh, da haben der Autor dieses postes und die Dame erstaunlicherweise die gleiche Kompetenz. Auch wir hatten im Studium mit Medizin und Medizinern zu tun. Auch im späteren Leben. Mit Bio nicht so, ab und zu Bio aus der Kaufhalle.

Die Dame hat also in den USA studiert. Na dann kann sie sich doch, wenn sie keine Ahnung hat, COPD mal übersetzen lassen. Das würde dem Artikelverständnis weiterhelfen.

Übersetzt heißt die Krankheit dauerhafte Verengung der Atemwege, chronic obstrucive pulmonary disease, dauerhafte Verengung die Atemnwege betreffende Krankheit. So schlecht ist das Schulenglisch beim Studium in den USA eigentlich nicht, daß man da false friends unterbringen könnte. Das muß man, um der Itenteion der weltweiten Onlilne-BefragungRechnung zu tragen, auf jene Fälle runterbrechen, die schludrig mit einer Exacerbation umgehen. Dazu liegt kein Zahlenmaterial vor, die Dunkelziffer ist aber höher.

Früher, bis weit in die 90er, sagte man chronische Bronchitis, was der Volksmund als Dauerhusten oder Raucherhusten übersetzte. Damit lag der Volksmund ziemlich dicht nahe bei der Wahhreit.

In Europa leiden 15 bis 20 Prozent der über 40-Jährigen an dieser schleichenden Lungenkrankheit...

Leiden wirklich so viele dran, oder haben so viele diese Krankheit in unterschiedlichen Ausprägungsformen? Wie gesagt, es geht um die Atemwege in ihrer Gesamtheit, nicht nur die Lunge.

"Es klingt paradox, aber schon wer seine Zigaretten selbst zu Fuß holt, hat eine bessere Prognose als jener, der sie sich bringen lässt", sagt der Lungenexperte Tobias Welte von der Medizinischen Hochschule Hannover.

Hat der Lungenexperte dann auch dargelegt, daß dieser Fußmarsch dann täglich aber wenigstes 10 Kilometer lang sein sollte und das Erklimmen von wenigstens 5 Etagen in einem Haus einschließen muß?

Wiedereinführung der Prügelstrafe wäre das Mindeste, was der deutsche Gestezgeber tun muß. Dann könnte man der Dame die Flause austreiben, solchen Blödsinn aufzuschreiben. Genügend Rohrstockhiebe auf ihre zarten Finger, und sie würde schnell geheilt sein.

Im übrigen sind nur 7% aller Todesfälle in der BRD im direkten Richten den Atemwegserkrankungen zuzuordnen. Das ist weit abgeschlagen der dritte Platz.


im Foto: Abfalleimer am Hinterausgang einer Lungenheilanstalt.